„Der Mitarbeiter ist schwierig.”
Dieses Bild entsteht schnell, wenn die Zusammenarbeit im Team schwierig wird. Auch bei einer Mediationsanfrage aus einem Betrieb im ländlichen Raum mit etwa zehn Mitarbeitenden schien zunächst klar: Eine einzelne Person erschwert die Zusammenarbeit und droht das Team zu sprengen.
Doch im Gespräch zeigte sich ein anderes Bild. Hinter dem Konflikt standen nicht aufgearbeitete Konflikte der Vergangenheit, ungenügende Abstimmung in der Führungsebene sowie strukturelle und organisatorische Schwächen. Der „schwierige Mitarbeiter” entpuppte sich als Symptomträger des Konflikts, nicht als dessen Ursache.
Dieser Beitrag von Dietrich Knapp, Mediator in Allmannsweiler zeigt anhand eines Praxisbeispiels, warum es sich lohnt, hinter die Oberfläche zu schauen, und wie aus einem verhärteten Konflikt der Anfang einer neuen, konstruktiven Zusammenarbeit werden kann.
Home > Schwieriger Mitarbeiter (Gastbeitrag)
Tags
#Mediation #Wirtschaftsmediation #Teamkonflikt #Konfliktklärung #Klärungshilfe #Zusammenarbeit #Führung #Konfliktlösung #Betriebsklima #Teamentwicklung #Organisationsentwicklung
Neulich wurde ich für eine Mediation von einem Betrieb im ländlichen Raum angefragt, er hatte etwa 10 Mitarbeiter. Bei der Auftragsklärung mit der Leitung entsteht das Bild von einem schwierigen Mitarbeiter, der die Zusammenarbeit erschwert und das Team zu sprengen droht.
Ich entscheide mich für die Methode der Klärungshilfe und habe zwei Tage vereinbart. Am ersten Tag entsteht langsam eine offene und respektvolle Gesprächsatmosphäre. Am Morgen des zweiten Tags kommt mehrmals die Aussage: „wir kratzen nur an der Oberfläche – das eigentliche Thema haben wir bisher ausgespart“. Also frage ich nach und führe ich die Beteiligten langsam in die Tiefe. Die Hintergründe des Konflikts treten zutage und sind vielschichtig: nicht aufgearbeitete Konflikte der Vergangenheit, ungenügende Abstimmung in der Führungsebene, strukturelle und organisatorische Schwächen und Hypotheken aus der Entstehungsgeschichte des Betriebs. Das alles lässt die unterschiedlichen Perspektiven verstehen. Der „schwierige Mitarbeiter“ entpuppt sich als Symptomträger des Konflikts, nicht als dessen Ursache.
Es gelingt, am Ende eine Vereinbarung zu etablieren, die alle unterschreiben – das erhöht die Verbindlichkeit. Und in der Abschlussrunde entsteht das Bild von einem jungen Pflänzchen einer neuen, konstruktiven Zusammenarbeit, das gegossen und gepflegt werden will, wenn es zu einem stabilen Baum mit ertragreichen Früchten werden soll.
Die Weichen wurden für einen Neuanfang gestellt, mit gelegentlicher weiterer Begleitung wird sich der Betrieb für die Zukunft fit machen.
