Mediation in der Landwirtschaft
Dieser Gastbeitrag von Dietrich Knapp gibt einen eindrucksvollen Einblick in die Konfliktklärung innerhalb eines landwirtschaftlichen Familienbetriebs und zeigt, wie Mediation helfen kann, festgefahrene Strukturen zu lösen und neue Perspektiven zu schaffen. Es handelt sich um einen realen Fall, den Dietrich Knapp anonymisiert dargestellt hat.
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Besonderheiten von Familienbetrieben und Konfliktdynamiken
Konfliktklärung auf einem großen Bauernhof: Es ging um Themen der täglichen Zusammenarbeit, um Hofnachfolge und Betriebsübergabe. Beteiligt waren das Inhaber-Ehepaar und ihre erwachsenen Kinder.
Die Familienbetriebe in der Land- und Forstwirtschaft weisen einige Besonderheiten auf:
Die enge Verflechtung von Familie und Betrieb bringt es mit sich, dass familiäre und betriebliche Themen von den Betroffenen kaum getrennt werden
Die Menschen dieser Branche sind meist bodenständig und orientieren sich an den täglichen Aufgaben. Probleme werden praxisnah und flexibel gelöst
Im arbeitsreichen Alltag kommt eine differenzierte und vertiefende Kommunikation oft zu kurz. So kann aus Missverständnissen Misstrauen wachsen, aus familiären Eifersüchteleien kann Distanz und Abneigung werden. Mit allen Konsequenzen für die tägliche Zusammenarbeit
Der Mediationsprozess auf dem Bauernhof
In der Abstimmung mit dem Betriebsinhaber wurde ein Termin im Winter vereinbart, außerhalb der landwirtschaftlichen Saison. Weil in den Vorgesprächen schon erkennbar war, dass die meisten Themen die zwischenmenschlichen Beziehungen betrafen, entschied ich mich für das Format der Klärungshilfe. Die Mediation fand auf dem Hof selbst statt, so dass die täglich notwendige Versorgung der Tiere nicht leiden musste.
An zwei intensiven Tagen wurde vieles zur Sprache gebracht, was in der Vergangenheit passiert war. Irritationen und Verletzungen wurden sichtbar, persönliche Empfindungen und Grundwerte bekamen Aufmerksamkeit und ihren Raum. Das alles ebnete den Weg für ein besseres gegenseitiges Verständnis. Die unterschiedlichen Vorstellungen über die Zukunft des Betriebes – und damit über die jeweils eigene Zukunft – wurden besprechbar. So konnten wir in den letzten Stunden gemeinsam einen Fahrplan für die Zukunft ausarbeiten, den alle mittragen.
Ergebnisse, Grenzen und Chancen der Mediation
Natürlich kann man in zwei Tagen nicht auflösen, was sich über viele Jahre verfestigt hat. Aber Mediation bietet die Chance, aus einem Teufelskreis auszusteigen. Mediation kann die Ausfahrt aus dem endlosen Kreisverkehr weisen. Mit Mediation kann ein Neuanfang gewagt werden. Den weiteren Weg der Umsetzung im Alltag – den müssen die Beteiligten selbst gehen. Und gerne werden sie darin vom Mediator weiter begleitet, wenn es gewünscht wird.
Ich habe sehr großen Respekt vor Menschen, die den Mut haben, sich ihren Konflikten zu stellen und sich auf den Prozess einer Mediation einzulassen. Zum Wohle der Familie und zur nachhaltigen Sicherung des Betriebes.
