Wenn Gespräche feststecken: Vertrauen aufbauen und Worte finden - Die Mediation

Wer in einem Konflikt überzeugen möchte, greift schnell zum nächsten Argument. Doch gerade in festgefahrenen Gesprächen führt das häufig zu einer weiteren Runde derselben Auseinandersetzung.

Mit zunehmender Anspannung verändert sich das Zuhören. Aussagen werden schneller als Angriff verstanden, Absichten werden hinterfragt. Die eigene Position bekommt immer mehr Gewicht. In solchen Situationen lohnt es sich, den Blick zunächst auf das Gespräch selbst zu richten.

Im kostenfreien Methodenheft „Methoden der Konfliktlösung“ von Die Mediation werden verschiedene Werkzeuge vorgestellt, die genau dort ansetzen. Zwei davon eignen sich besonders gut, um zu verstehen, warum Konfliktgespräche feststecken können: der Aufbau von Vertrauen und das Doppeln.

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Warum Argumente irgendwann kaum noch ankommen

Ein Konflikt hat eine Sachebene. Gleichzeitig wirkt immer auch die Beziehung zwischen den Beteiligten. Wer den Eindruck hat, übergangen oder abgewertet zu werden, verarbeitet Aussagen anders. Ein sachlich gemeinter Hinweis kann dann wie ein Vorwurf ankommen. Ein Lösungsvorschlag wird vielleicht als Versuch erlebt, das eigene Anliegen schnell vom Tisch zu bekommen.

Das erklärt, warum sich manche Gespräche trotz vieler Argumente im Kreis drehen. Die Beteiligten sprechen zwar weiter über das Thema, doch die Gesprächsbasis trägt nicht mehr ausreichend. Bevor Lösungen wieder erreichbar werden, braucht es häufig zuerst ein Mindestmaß an Vertrauen.

 

 
 

Vertrauen als Gesprächsbasis

Im Methodenheft greift der Beitrag „Verhandeln als professionelles Handwerk – Vertrauen ist die Grundlage, Bonding das Werkzeug dazu“ diesen Gedanken auf. Vertrauen wird dort als wichtige Voraussetzung für eine freiwillige und tragfähige Einigung beschrieben.

Für ein Konfliktgespräch bedeutet das vor allem: Interesse muss für das Gegenüber erkennbar werden. Aufmerksames Zuhören gewinnt an Wirkung, wenn das Gegenüber es auch wahrnehmen kann. Hilfreich ist es, zentrale Aussagen in eigenen Worten aufzugreifen und nachzufragen, ob man sie richtig verstanden hat.

Dabei geht es um Verstehen. Zustimmung ist eine andere Frage. Auch bei deutlichen inhaltlichen Unterschieden kann eine Person zeigen, dass sie nachvollziehen möchte, was die andere Seite bewegt.

Für die Praxis lässt sich daraus ein einfacher Prüfpunkt ableiten: Bevor ich das nächste Argument formuliere, sollte ich überlegen, ob mein Gegenüber bereits erlebt hat, dass sein Anliegen bei mir angekommen ist.

 

 
 

Worte für das Ungesagte finden

Ein zweiter Ansatz aus dem Methodenheft ist das Doppeln. Der Beitrag „Worte finden für das Ungesagte – Doppeln als Methode der Mediation“ zeigt, wie eine mediierende Person dabei unterstützen kann, schwer Aussprechbares in Worte zu fassen.

Die mediierende Person formuliert vorsichtig eine mögliche innere Sicht einer Konfliktpartei. Diese Formulierung bleibt ein Angebot. Die betreffende Person prüft sie und kann sofort korrigieren, wenn etwas noch nicht passt.

In Konflikten bleibt vieles unausgesprochen. Hinter einem Vorwurf kann Enttäuschung stehen. Hinter Rückzug kann Überforderung liegen. Solange diese Bedeutung keinen Ausdruck findet, reden die Beteiligten leicht aneinander vorbei.

Das Doppeln schafft hier eine Übersetzungshilfe. Das, was bisher zwischen den Zeilen lag, wird überprüfbar. Dadurch kann sich der Dialog vertiefen und die jeweils andere Seite besser verstehen, was den Konflikt tatsächlich belastet.

 

 
 

Zwei Fragen für das nächste schwierige Gespräch

Aus beiden Ansätzen lässt sich ein kurzer Selbstcheck für festgefahrene Gespräche ableiten:

Gibt es genug Vertrauen, damit wir einander gerade wirklich zuhören können?

Ist bereits ausgesprochen, was hinter den Positionen und Vorwürfen liegt?

Wenn eine dieser Fragen offenbleibt, kann es sinnvoll sein, die Lösungssuche für einen Moment zurückzustellen und an der Gesprächsbasis zu arbeiten. Manchmal entsteht Bewegung erst dann, wenn sich die Beteiligten wieder verstanden fühlen und das Wesentliche Sprache bekommt.

 

 
 

Zum Weiterlesen

Wer diese Ansätze vertiefen möchte, findet sie zusammen mit weiteren Methoden im kostenfreien Sonderheft „Methoden der Konfliktlösung“ von Die Mediation. Das Heft zeigt verschiedene Wege, mit denen Mediatorinnen und Mediatoren auf unterschiedliche Konfliktsituationen reagieren können.

Die Mediation ist ein Fachmagazin für Mediation und Konfliktbearbeitung. Die Zeitschrift verbindet Erfahrungen aus der Praxis mit fachlicher Einordnung. Sie greift aktuelle Fragen zum Umgang mit Konflikten auf. Im Rahmen der neuen Kooperation mit HeyMediation werden ausgewählte Impulse aus dem Magazin künftig auch hier aufgegriffen.


 

 
 

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