Wenn ein Teamkonflikt wie ein Kommunikationsproblem aussieht, lohnt sich ein genauerer Blick auf die Verantwortlichkeiten.
„Ich dachte, du kümmerst dich darum.”
„Ich bin davon ausgegangen, dass die Entscheidung bereits getroffen wurde.”
„Dafür bin ich nicht verantwortlich.”
Solche Sätze fallen im Arbeitsalltag schnell. Jede Seite hält ihr Verhalten für nachvollziehbar, und trotzdem wachsen Frust, gegenseitige Vorwürfe und Misstrauen.
Was wie ein Kommunikationsproblem aussieht, ist oft auch ein Konflikt über Rollen, Erwartungen und Verantwortung. Wer ist wofür zuständig? Wer darf Entscheidungen treffen? Und wer muss in wichtige Prozesse einbezogen werden?
Dieser Beitrag von Claudia Daniels, Mediatorin in Essen, zeigt, warum nachhaltige Konfliktklärung manchmal mehr braucht als ein besseres Gespräch, und wie die RACI-Matrix helfen kann, Zuständigkeiten und Entscheidungswege im Team verbindlich zu klären.
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Ein Beispiel aus dem Projektalltag
Ein Projekt gerät ins Stocken. Die Projektleitung erwartet eine Entscheidung aus dem Fachbereich. Der Fachbereich sieht die Verantwortung bei der Projektleitung. Andere Beteiligte fühlen sich übergangen, weil sie erst informiert werden, wenn Entscheidungen bereits gefallen sind.
Jede Seite hat ihre eigene Sicht auf die Situation. Alle halten ihr Verhalten für nachvollziehbar. Gleichzeitig wachsen Frust, gegenseitige Vorwürfe und das Misstrauen in die Zusammenarbeit.
Was als Kommunikationsproblem erscheint, ist möglicherweise auch ein Konflikt über Rollen, Erwartungen und Verantwortung.
Genau hier setzt Mediation an
In der Mediation geht es zunächst darum, die unterschiedlichen Perspektiven, Interessen und Erwartungen sichtbar zu machen. Die Beteiligten können klären, wie der Konflikt entstanden ist, was sie voneinander erwarten und was sie für eine zukünftige Zusammenarbeit benötigen.
Doch eine Verständigung allein reicht nicht immer aus.
Wenn die Zuständigkeiten und Entscheidungsbefugnisse ungeklärt bleiben, können dieselben Konflikte im Arbeitsalltag erneut entstehen.
Deshalb kann es sinnvoll sein, im Anschluss an eine Mediation auch die Rollen und Verantwortlichkeiten konkret zu klären.
Ein mögliches Instrument dafür ist die RACI-Matrix. Sie unterstützt Teams dabei, vier Fragen verbindlich zu beantworten:
Responsible: Wer übernimmt die operative Umsetzung?
Accountable: Wer trägt die Gesamtverantwortung und trifft die Entscheidung?
Consulted: Wer wird fachlich einbezogen?
Informed: Wer muss informiert werden?
Entscheidend ist nicht die Matrix selbst, sondern der gemeinsame Klärungsprozess. Unterschiedliche Erwartungen werden ausgesprochen, Verantwortlichkeiten vereinbart und Entscheidungswege nachvollziehbar gemacht.
So kann Mediation mehr bewirken als die Beilegung eines konkreten Konflikts: Sie kann den Ausgangspunkt dafür schaffen, die Zusammenarbeit auch strukturell zu verbessern.
Denn nachhaltige Konfliktklärung braucht manchmal mehr als ein besseres Gespräch. Sie braucht Klarheit darüber, wer wofür verantwortlich ist.
